
Ab wann schlafen Babys durch?
Das Durchschlafen bei Babys hängt stark von ihrem Alter ab. In den ersten Monaten schlafen Babys in den meisten Fällen nicht länger als drei oder vier Stunden am Stück, da sie in dieser Zeit wieder hungrig werden. Daher ist das Durchschlafen in dieser Phase eher die Ausnahme als die Regel. Ab einem Alter von etwa sechs Monaten haben sich die meisten Babys jedoch soweit entwickelt, dass sie etwa 6 Stunden am Stück durchschlafen können. Dies stellt bereits eine deutliche Verbesserung dar, aber es bedeutet auch, dass sie in den meisten Fällen immer noch einmal pro Nacht aufwachen müssen. Zudem entwickeln sie erst jetzt einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus.
„Durchschlafen“ ist an sich eine irreführende Bezeichnung. Kein Mensch schläft wirklich durch. Zwischen den verschiedenen Schlafzyklen wachen Babys (genauso wie Erwachsene) regelmäßig minimal auf und schlafen im Idealfall direkt wieder ein. So wird sichergestellt, dass keine Gefahr droht und alles in Ordnung ist.
Da die Schlafzyklen von Babys eine Dauer von 40-45 Minuten haben, wachen Babys mit Schlafproblemen oft entsprechend alle 45 Minuten oder 1,5 Stunden auf und brauchen Hilfe zum Weiterschlafen. Und hieran sieht man, wie essenziell wichtig es ist, dass Babys irgendwann lernen zwischen zwei Schlafphasen weiterzuschlafen! Denn dann ist Durchschlafen möglich: Durchschlafenden Babys gelingt es, ohne elterliche Hilfe in die nächste Schlafphase zu gleiten.
Wenn also dein Baby nicht durchschläft, kann der Grund darin liegen, dass es die verschiedenen Schlafzyklen nicht miteinander verbinden kann.
Warum schläft mein Baby nicht durch?
Es gibt verschiedene mögliche Gründe, warum dein Baby nicht durchschläft. Im Folgenden möchte ich die häufigsten davon nennen:
- Schlafregressionen:
Wenn dein Baby plötzlich häufiger aufwacht und auch tagsüber Nickerchen verweigert, könnte es sein, dass es eine Schlafregression durchläuft. Die 4-Monats-Schlafregression ist ein klassisches Beispiel, aber auch in anderen Altersstufen können Rückschritte im Schlafverhalten auftreten. Diese Regressionen sind oft mit einem Entwicklungsschub verbunden, der den nächtlichen Schlaf beeinflusst. - Krankheiten und Zahnungsschmerzen:
Erkältungen und Infekte können dein Baby wach halten, genauso wie unentdeckte Mittelohrentzündungen. Zahnschmerzen sind auch ein häufiger Grund. Wenn die Zähne durchbrechen, kann das Zahnfleisch geschwollen sein, dein Baby sabbert mehr, kaut häufig auf Gegenständen herum und weint möglicherweise mehr, wenn es sehr schmerzhaft ist. Ein Beißring (eventuell gekühlt), ein kalter, nasser Waschlappen, Zahngel oder gegebenenfalls ein leichtes Schmerzmittel können helfen. - Einschlafgewohnheiten:
Wenn dein Baby es gewohnt ist, beim Stillen, Tragen oder Schaukeln auf dem Pezziball einzuschlafen, sind das Einschlafgewohnheiten, die es daran hindern können, durchzuschlafen. Wenn dann eine Veränderung eintritt – zum Beispiel, wenn dein Baby abgelegt wird – kann es aufwachen, weil die Schlafsituation anders ist als beim Einschlafen. In diesem Fall wäre es wichtig, daran zu arbeiten, dass dein Baby lernt, im Liegen einzuschlafen, anstatt schlafend abgelegt zu werden. - Chaotischer Tagesablauf:
Kinder profitieren von Ritualen und einem halbwegs festen Tagesablauf. Wenn sich ihr Körper beispielsweise an eine regelmäßige Schlafenszeit gewöhnt hat, finden sie leichter zur Ruhe und schlafen besser – ähnlich wie bei Erwachsenen. Eine feste Tagesroutine (ab 5-6 Monaten möglich) und eine ruhige Bettgehzeitroutine können den Nachtschlaf des Babys enorm verbessern. - Übermüdung:
Zu wenig Tagesschlaf und eine zu späte Bettgehzeit können das Einschlafen und Durchschlafen erschweren. Daher ist es wichtig sicherzustellen, dass dein Baby beim Einschlafen nicht übermüdet oder überreizt ist, da diese Zustände den Durchschlaf beeinträchtigen können. Beachte dabei die optimale Länge von Schlafenszeiten und Wachphasen, um Übermüdung zu vermeiden.
Tipps für ruhigere Nächte
Als Elternteil hast du einen Einfluss darauf, die Schlafgewohnheiten deines Kindes zu beeinflussen und mitzugestalten. Hier sind einige Tipps, um optimale Bedingungen für deinen Baby zu schaffen:
1. Einschlafstillen/ nuckeln vermeiden
Versuche im ersten Lebensjahr deines Kindes, Alternativen zum Einschlafen an der Brust (oder mit Fläschchen im Mund) zu finden. Eine ungewollte Einschlafassoziation ist der häufigste Grund, warum Babys nicht durchschlafen. Zudem ist es sehr schwierig, Babys dahingehend umzugewöhnen.
2. Überprüfung der Schlafsituation
Trotz der aktuellen Trends hat das Familienbett sowohl Vor- als auch Nachteile. Tatsächlich schlafen viele Babys in einem eigenen Bettchen (und möglicherweise sogar im eigenen Zimmer ab 6 Monaten) deutlich besser. Manchmal kann die Nähe zu den Eltern zusätzliche Unruhe verursachen und laut Studien auch zu mehr nächtlichem Aufwachen führen.
Es wäre möglicherweise auch eine Option, mehr Abstand im Elternschlafzimmer zu schaffen. Zum Beispiel könnte dein Kind in einem Bett oder auf einer sicheren Matratze in einer Ecke eures Schlafzimmers schlafen. Realismus statt Idealismus ist hier manchmal angebracht: Wenn niemand mehr schlafen kann, hilft es niemandem.
3. Eine ruhige Abendroutine
Babys schätzen Rituale. Eine festgelegte Bettgehzeitroutine trägt nachweislich dazu bei, das Einschlafen und Durchschlafen von Babys zu verbessern. Ruhige Abendrituale, die immer in derselben Reihenfolge stattfinden, signalisieren dem Gehirn und Körper des Babys: Es ist Zeit loszulassen, zu entspannen und sich auf die Schlafenszeit vorzubereiten.
4. Eine frühzeitige Bettgehzeit
Viele Babys werden zu spät ins Bett gebracht, wodurch sie oft bereits übermüdet und überreizt sind. Aufgrund erhöhter Stresshormone können sie weder gut einschlafen noch durchschlafen. Eine altersgerechte, frühzeitige Bettgehzeit (meist zwischen 19-20 Uhr) kann hierbei helfen, ebenso wie ein angemessener zeitlicher Abstand zum letzten Nickerchen.
5. Üben, das Kind dösig aber wach abzulegen
Wenn du dein Kind stets schlafend ablegst, bekommt es keine Gelegenheit, das Einschlafen alleine zu üben. Dies ist jedoch einer der wichtigsten Schritte.
6. Schaffung einer langweiligen Schlafumgebung
Gestalte die nächtliche Umgebung so langweilig und ruhig wie möglich. Vermeide es zu sprechen und minimiere die Interaktion auf ein Minimum. Benutze nur gedimmtes Licht und vermeide es, die Windel zu wechseln (lieber eine teurere Marke kaufen für die Nächte oder eine Größe größer).
7. Dunkler Schlafraum
Ein vollständig abgedunkelter Raum kann den Schlaf erheblich verbessern. Besonders im Sommer können die ersten Sonnenstrahlen um 4-5 Uhr morgens zu einem zu frühen Aufwachen führen.
8. Geduldig bleiben, wenn das Baby nachts Geräusche macht
Stürze nicht bei jedem Geräusch sofort zu deinem Baby und biete ihm auch nicht automatisch die Brust an, um weiterzuschlafen. Oft werden Schlafgeräusche fälschlicherweise als Wachgeräusche interpretiert. Viele Babys wimmern, meckern, rudern oder weinen sogar im Schlaf oder im Übergang zwischen den Schlafphasen. Gib deinem Baby die Möglichkeit, seine Selbstberuhigungsfähigkeiten zu üben und weiterzuschlafen. Heißt nicht, dass du dein Kind in der Nacht weinen lassen sollst und nicht beruhigen darfst.
Ist Durchschlafen also kein Entwicklungsschritt?
Durchschlafen hat nichts mit der Entwicklung des Kindes zu tun. Kinder, die mit sechs Monaten durchschlafen, unterscheiden sich nicht in ihrer psychoemotionalen Reife oder anderen Fähigkeiten von denen, die nicht durchschlafen.
Natürlich gibt es Babys, die frühzeitig weniger häufig aufwachen, um zu trinken. Ein Grund dafür kann sein, dass sie weniger hungrig sind als andere.
Alles zu seiner Zeit
Die meisten Eltern würden sich wünschen, dass ihre Kinder sie endlich schlafen lassen. Manche Eltern haben das Glück, Babys zu haben, die „gute Schläfer“ sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass andere Eltern etwas falsch machen. Aus evolutionärer Sicht ist es verständlich, dass Durchschlafen kein normaler Entwicklungsschritt ist. Alles geschieht zu seiner Zeit, und irgendwann werden wir uns darüber wundern, wann unsere Teenager-Kinder endlich aufstehen.
Wenn du mehr Tipps und Anregungen für ruhigere Nächte mit deinem Kind möchtest, buch dir gerne ein kostenloses Erstgespräch in einer Familienberatung bei mir.